Herr Jung, gefühlt hat bereits zum Jahresanfang die Anzahl der starken Unwetterereignisse (Starkregenereignisse, Stürme, Orkane) zugenommen, täuscht uns dieser Eindruck? 

Jung: Diese Frage stellten wir uns schon in den vergangenen Jahren. Auch damals gab es wochenlange Unwetterserienmit zum Teil erheblichen Schäden. Das haben auch wir bei Q.met gemerkt, denn wir arbeiten eng mit Versicherungen zusammen und diese fordern bei uns entsprechende Gutachten im Schadenfall an bzw. wünschen rückwirkende Wetterinformationen. Unsere Diplom-Meteorologen hatten schon in den ersten Monaten 2020 alle Hände voll zu tunOb es eine generelle Zunahme an Unwettern gibt, kann man derzeit wissenschaftlich nicht seriös sagen. Allerdings konnte man feststellen, dass die Starkregenereignisse häufiger geworden sind und das wir in 20 bis 30 Jahren wohl mit 30 Prozent mehr Starkregenereignissen rechnen müssen, also auch mit mehr Schäden. 

 

Wir hatten in diesem Jahr bereits Ende Januar die ersten Elementarschäden. Wie viele starke Unwetter konnten 2019 verzeichnet werden?

Jung: Da gab es eine ganze Reihe von Unwettern – vor allem durch Stürme und Sturzfluten, die regional eng begrenzt auftratenHinzu kam auch der Orkan “Sabine”, der gewisse Landstriche in Deutschland stark verwüstete. Wie viele Schäden es in 2019 genau waren, kann man immer schwer sagen. Wir bei Q.met hatten aber weit über 10.000 Anfragen von Versicherern.

 

Wo wurden die häufigsten Unwetter verzeichnet?  

Jung: Eigentlich bekommt jeder etwas von den Unwettern ab, Hamburg bekam regional schwere Unwetter mit Schäden, der Osten bekam Überflutungen und auch im Westen und Süden wurden von Sturzfluten berichtet. Es waren eben immer Zufallstreffer, die im Vorfeld kein Meteorologe so lokal vorhersagen konnte. Daher traf es die Menschen meist sehr unvorbereitet. Binnen weniger Minuten fiel reichlich Regen und es kam zu Flutwellen. Eine Stunde danach war meist alles vorbei und der Schaden blieb. 

 

Ist das alles auf den Klimawandel zurück zu führen?  

Jung: Den Klimawandel gibt es schon immer. Es gibt einen natürlichen und einen vom Menschen gemachten. Die Frage wäre eher welcher Teil vom Menschen gemacht ist. Das kann man heute schwer sagen. Hätte es die Sturzfluten ohne den vom Menschen gemachten Klimawandel etwa nicht gegeben? Das kann kein Wissenschaftler seriös beantworten. Aber natürlich gilt: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Und in den letzten Jahrzehnten hat sich die globale Temperatur immer weiter erhöht. Daher kann es zu mehr Starkregenereignissen kommen als früher. 

 

Wie kommen so plötzlich Orkane und Tornados Deutschland zustande?  

Jung: Die kommen gar nicht plötzlich zustande. Es gab sie in Deutschland schon immer. Vor Jahrzehnten gab es in Deutschland sogar eine ausgeprägte Tornado-Forschung. Das schlief irgendwann ein. Aber es gab nach wie vor Tornados in Deutschland. Einen ganz gewaltigen gab es 1968 in Pforzheim. Er brachte großen Schaden und viele Verletzte und auch Tote. Nur in den letzten Jahren gibt es immer mehr Smartphones. Jeder kann etwas aufnehmen, Bilder machen und direkt „teilen“ Das war früher nicht so. Da verlief so ein Ereignis meist von der großen Masse unbemerkt. Heute bekommt es jeder mit und der Eindruck entsteht, dass auf einmal Tornados in Deutschland entstehen. 


Wie wichtig wird eine Elementarschadenversicherung für die Zukunft? 

Jung: Das wird in Zukunft immer wichtiger werden. In Sachen Starkregen gilt das für alle die irgendwie an einem und sei es auch noch so kleinen Bachbett leben. Da kann aus einem Rinnsal schnell eine Flutwelle werden, die in Minuten die ganze Existenz zerstört. Das kann jederzeit jeden treffen. Wir bei Q.met erleben es derzeit anhand der zahlreichen Anfragen von Versicherungen und Versicherten. Alle wollen Schadensgutachten oder auch Standortgutachten, ob ihre Lage besonders gefährdet sei. Wir haben damit alle Hände voll zu tun.  

 

Wie sollten / müssen die deutschen Versicherer mit der Gesamtentwicklung „Wetter“ umgehen?  

Jung: Schwierig, dazu kann ich wenig sagen. Auf jeden Fall wird Wetter ein immer größerer und wichtiger Faktor werden. Sturm, Starkregen und Hagel, das alles versursacht mittlerweile viele Schäden. Bei Sturm ist meist der Bahnbetrieb lahmgelegt, der Flugbetrieb ist kaum noch möglich. Im privaten Bereich gibt es großen Schäden. Das Wetter wirkt sich auf alle Bereiche aus – und wenn Schäden entstehen, dann sind größtenteils natürlich auch die Versicherer mit im Spiel.  

Vielen Dank für das Gespräch.